Der digitale Störfaktor

Jessica Käppeli

Mein treuer Begleiter in meinem Alltag ist auch der treue Begleiter von so manch anderem: das Smartphone.

Immer und überall sieht man Leute, die vertieft auf ihr Handy starren. Mich nimmt immer wunder, was so spannend sein muss, dass sie es zum Teil nicht einmal während des Gehens weglegen können. Doch manchmal benehme ich mich genau gleich. Schnell durch Instagram scrollen, ein paar «Snaps» verschicken und jemandem auf Whatsapp antworten. 

Müsste man eine Person sehen, um sich zu verabreden, wäre dies sehr viel mühsamer. Mit dem Handy kann man kurz schreiben. In wenigen Minuten kommt schon die Antwort. Doch die gesparte Zeit wird doppelt und dreifach wieder geraubt. Denn wenn man einmal das Handy hervornimmt, dann verbringt man schnell zu viel Zeit daran. Am Abend vor einer Prüfung läuft das Smartphone auf Hochtouren. Jede Minute erhalte ich drei neue Nachrichten im Klassenchat. Von «Kann jemand die Lernziele schicken?», bis zu «In welchem Zimmer findet morgen die Prüfung statt?», findet man alles. Ein solcher Klassenchat ist sehr nützlich. Wenn man Fragen bezüglich des Prüfungsstoffs hat, gibt es immer jemanden, der helfen kann. Doch manchmal ist es nervig. Man will etwas erledigen und das Handy vibriert ständig. Instinktiv greift man dann danach, weil man das Gefühl hat, etwas zu verpassen, wenn man es nicht tut. Das ist der Grund, warum ich mein Handy immer auf lautlos eingestellt und die Vibration ausgestellt habe. 

Meiner Meinung nach gibt es durchaus Momente, in denen das Smartphone als Störfaktor gilt. Zum Beispiel, wenn man mit Freunden etwas unternimmt, oder an Familienfesten. Denn dann sollte man den Augenblick geniessen. Durch das Handy kennt man sehr viele Leute, doch meistens nur oberflächlich. Man distanziert sich aber von denjenigen, die man wirklich und vor allem besser kennt. Heutzutage findet man sogar die Liebe durch das Handy. Wenn man alleine und verzweifelt ist, gibt es diverse Dating-Apps, wo man die wahre Liebe sucht. Wenn man dann jede Sekunde mit seinem Schwarm schreiben kann, ist dies natürlich ein Vorteil gegenüber früheren Generationen. Doch mir stellt sich dann die Frage, kann diese Liebe auch im echten Leben funktionieren, oder nur in der virtuellen, perfekten Welt? Die Antwort darauf habe ich noch nicht gefunden. Natürlich ist das Smartphone auch bei einem Familienfest durchaus hilfreich, denn wenn man ein Foto für die Erinnerung schiessen will, wird doch meistens das Handy gezückt. Es gibt aber auch Leute, die das mit den Erinnerungen übertreiben. Wenn im Hallenstation ein Konzert von einer berühmten Band stattfindet, muss man sich kein Ticket mehr kaufen, um das Konzert zu hören. Die Social-Media-Plattformen sind voll von Videos und Fotos. Doch geniesst man das Konzert, wenn man sich die ganze Zeit darum kümmern muss, dass alle sehen, dass man auf dem Gig ist? 

Früher wollte ich auch möglichst alles filmen, damit ich es nach dem Auftritt nochmals ansehen kann und in schönen Erinnerungen schwelgen kann. Doch ganz ehrlich, diese Videos habe ich genau ein einziges Mal angeschaut, und zwar am Morgen danach. Und die Erinnerungen daran, dass einem vor lauter Filmen der Arm weh tut, sind auch nicht die schönsten. Das Smartphone ist in manchen Situationen überbewertet. Ich erwische mich selbst aber immer wieder, wie ich es hervornehme, wenn mich die Langeweile plagt. Erst kürzlich hatte mein Handy kein Akku mehr, als ich auf dem Nachhauseweg war. Seit langem musste ich wieder einmal ohne Musik in den Ohren Zug fahren. Dies war spannend, denn plötzlich fängt man an zuzuhören, was die Leute um einen herum so erzählen. Doch wenn diese Leute auch nur stumm dasitzen und ihrer Musik zuhören, kann sich eine zehnminütige Zugfahrt schon mal wie eine halbe Ewigkeit anfühlen. 

Ein Smartphone ist ein nützliches Gerät, doch nicht immer angebracht. Heutzutage gehört es zum Alltag dazu. Man ist oft froh darum, denn es gäbe oft Situationen, in denen man mehr oder weniger aufgeschmissen wäre ohne diese Technologie. Da fällt mir ein, ich muss noch meiner Mutter schreiben, dass ich heute zum Abendessen nicht zu Hause bin.

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