Das Phänomen der Fast-Beziehung

Alketa Neziraj

L’amour. L’amore. Love. Dashuria. Die Liebe. Was wir verheimlichen und was wir verdrängen.

In unserer Generation ist die Liebe kurzlebig. Es wird nicht repariert, sondern weggeschmissen und ersetzt. Die Handys machen das Ganze nicht einfacher. Eine Eifersuchtsszene hier, weil er schon das fünfte Bild dieses Mädchens liket: «Aber, Babe, ich like alles auf meiner Timeline. Es hat nichts zu bedeuten.» Ein Ausraster da, weil ihr Ex ihr immer noch Snaps schickt: «Aber, Schatz, wir snapen nur, weil wir Streaks haben. Es hat nichts zu bedeuten.»

Dies sind Probleme in heutigen Jugendbeziehungen. Wenn es überhaupt zu einer Beziehung kommt. Bei den meisten scheitert es nämlich schon in der Kennenlernphase. Man verbringt mehr als einen Monat praktisch jeden Tag zusammen und irgendwann kommt die Frage: «Was sind wir jetzt eigentlich?» Und plötzlich geht es zu schnell. Man will die Vorzüge einer Beziehung geniessen, aber den Verpflichtungen nicht nachkommen. Wenn man nicht verliebt war, ist es kein Ding, man sucht sich einfach schnell den Nächsten. Wenn man aber angefangen hat, Gefühle zu entwickeln, leidet man eine Weile darunter und muss sich wieder an einen Alltag ohne diese Person gewöhnen. Das Beste an dem Ganzen ist, dass man nicht motzen kann, weil man ja nicht in einer Beziehung war. Die meisten wollen einer Person nicht mal ins Gesicht sagen, dass es nicht mehr passt und greifen auf das «Ghosting» zurück. Sie melden sich einfach nicht mehr, ohne Erklärung oder Rechtfertigung. Mit dieser Methode will man den anderen angeblich verschonen. Eigentlich ist dies aber einfach feige. Man schont nur sich selbst. Viele wollen sich sowieso nur «gönnen». Sie wollen jemanden, mit dem sie an einer Party rummachen können und den sie dann nicht wiedersehen müssen. Die meisten Jugendlichen nehmen das Ganze chillig. Dies ist an sich ja gut. Problemtisch wird es aber, wenn eine Person dadurch verletzt wird. 

Es gibt aber natürlich auch Ausnahmen: Jugendliche, die Jahrelang eine Beziehung führen, teilweise bis ins Erwachsenenalter. Das finde ich persönlich bewundernswerter und wertvoller als vier «Fast-Beziehungen».  Eine Person, auf die man zählen kann, die loyal ist und mit der man auch die kleinen Streitereien übersteht.

Man könnte meinen, ich wüsste, wovon ich rede. Doch ich selbst habe noch nie eine ernsthafte Beziehung geführt. Ich war aber schon in diesen Situationen, über die ich mich lustig mache, nämlich den «Fast-Beziehungen». Ist immer wieder amüsant, den anderen zu erklären, was nun genau mit dieser Person lief. Da sagt man am besten: «Naja, wir hatten was miteinander, wurde aber nichts Ernstes.» Was das genau heisst, muss jeder selber interpretieren, mich juckt es nicht. Das Konzept des «Chillig-Nehmens» habe ich nicht ganz begriffen. Am Anfang ist bei mir nämlich alles locker und easy. Ab einem gewissen Punkt wird es für mich jedoch ernst und dann gibt es kein Zurück. Jetzt muss ich nur noch meinen Prinz Charming finden, der genauso tickt wie ich.

Abgesehen von dem ganzen Chaos gibt es auch noch die Leute, die bis in ihre zwanziger keine einzige romantische Erfahrung machen. Ich denke, durch die Medien und sozialen Netzwerke ist Liebe im Jugendalter zur Norm geworden. Doch es ist ganz normal, wenn man seinen ersten Kuss erst mit 22 Jahren hatte und die erste ernsthafte Beziehung mit 25 Jahren oder noch später. Ich glaube, viele Jugendliche fühlen sich gedrängt, all diese Erlebnisse zu haben, weil das «jeder» hat. Sie wissen meist nicht, wie viele es eigentlich gibt, die sich genauso fühlen. Die meisten schämen sich auch zuzugeben, dass sie keine Erfahrungen haben. Sie fühlen sich ungeliebt und zweifeln teilweise an sich selbst. Doch ich möchte hiermit allen, denen es so ergeht, sagen, dass es absolut normal und in Ordnung ist. Jeder macht seine Einsichten in die Beziehungswelt zu seiner eigenen Zeit. Natürlich ist es schön, jemanden zu haben, der für einen da ist und einen liebt. Doch Liebe erhalten wir nicht nur durch einen Partner. Denken wir Mal an unsere Eltern, Geschwister und Freunde. Wir brauchen niemanden, der uns vervollständigt. Wir sind vollkommene und brillante Individuen ohne einen Partner an unserer Seite. Die Liebe für uns selbst kann uns nämlich nicht mal der geben.

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