Schuluniformen sind classy

Autor: Robertina Kukeli/ Paula Wollkopf

Fotos: Charlotte De Spindler

Wie stark schränken Schulen die Privatsphäre der Schüler ein? Wir unterhalten uns mit Gianna, einer Schülerin der International School Montana, über Kleidervorschriften.

«Hotpants und Miniröcke kommen für uns nicht in Frage», sagt Gianna und rümpft die Nase. Wir treffen die zierliche 17-Jährige an einem kühlen Donnerstagnachmittag. Sie trägt lässige Jeans und einen gemütlichen Wollpullover. Ihr Outfit wird mit einem warmen Schal und dunklen, halb hohen Schuhen abgerundet.

«Am Morgen ist es natürlich cool, da man viel weniger Zeit zum Anziehen braucht», sagt sie und schmunzelt. Die Schule stellt den Schülern Pullis und T-Shirts in den Farben blau, weiss und rot zur Auswahl, das ist es aber auch schon. Zur Uniform gehören keine Hosen, Röcke oder Schuhe. Diese können sich die Schüler selbst aussuchen, das aber auch nur in Grenzen. Gerade weil die Montana eine internationale Schule ist, stelle Mobbing und Co. kein grosses Problem dar.

Die Schuluniform trage auch zu einer offenen Stimmung bei, so Gianna. In den oberen Stufen ist die Uniform sinnvoll, da die Schüler, wenn sie älter werden, manchmal den Zusammenhalt in der Klasse verlieren. «An meiner alten Schule gab es viele Vorurteile», erinnert sich Gianna zurück, «die Leute waren viel verschlossener und das Feeling war nicht so familiär wie an der Montana.» 

Im kompletten Gegensatz dazu steht die Kantonsschule Zug. Sie hat keinerlei Vorschriften, wenn es um die Bekleidung der Schüler geht. «Manche kommen sogar in Trainerhosen in den Unterricht. Who cares!», finden wir und fragenuns, ob es sinnvoll wäre, am Gymnasium auch Kleider regeln zu haben. Hier gehen  wesentlich mehr Jugendliche zur Schule als auf dem Zugerberg, doch Mobbing ist bei uns kaum spürbar. Auch gehen wir davon aus, dass es an einer Schule mit über 1500 Schülern nicht ohneweiteres möglich wäre, eine Kleiderordnung einzuführen. Niemand ist es bei uns gewohnt sich bei seiner Outfitwahl einzuschränken.

Bei hohen Temperaturen machen sich die Auswirkungen der Kleidervorschriften besonders bemerkbar. Die Schulleitung der Montana schreibt nicht nur vor, sie verbietet auch. Es dürfen keine Rücken-, Bauch-, oder Schulterfreie Tops getragen werden und kurze Hosen sind tabu. Es bleiben den Mädchen nicht viele Möglichkeiten, sich bei dieser Hitze entsprechend zu kleiden. Es bleiben den Mädchen nicht viele Möglichkeiten, sich bei dieser Hitze entsprechend zu kleiden.

Die Schulleitung der Montana schreibt nicht nur vor, sie verbietet auch.

«Im Hochsommer habe ich keine andere Wahl als Röcke oder luftige Hosen zu tragen. Viele Kleider kommen nicht in Frage, weil sie zu dünne Träger haben.Diese Verbote nerven mich besonders und schränken mich sehr ein. Dazu kommt,dass man sich zum Beispiel die Haare nur natürlich färben darf, aber was das Schminken betrifft, gibt es wiederum keine Regeln», sagt Gianna.


Optisch gefällt ihr die Schuluniform nicht besonders: «Wenn man schon eine Uniform haben muss, dann eine komplette. Mit einem schönen Rock, passenden Socken und Schuhen. Das ist doch auch schöner anzuschauen. Man fühlt sich wie in einer Gemeinschaft und es gibt keine grösseren Unterschiede. So wie in den Hollywood-Filmen», beschreibt sie uns, «Schuluniformen sind doch eigentlich cool und stylisch, aber wenn, dann schon richtig.»

Ganz dieser Meinung sind auch wir. Wer möchte schon halbe Sachen? Man schaut sich um und sieht alle in der gleichen Kleidung. Ist doch voll classy, oder nicht? Man fühlt sich wie in einem Film und nicht wie im langweiligen Schulzimmer.

Unterschiede zwischen ihrer alten Schule, dem Loreto, und ihrer jetzigen kann Gianna zwar feststellen, diese sind aber nicht auf die Schuluniform zurückzuführen. Das Klima am Loreto sei grundsätzlich anders, verschlossener.

«Die Schüler der Montana sind offen und herzlich zueinander und gehen freundlich miteinander um. An meiner alten Schule im Loreto hätte ich davon nur träumen können. Das hat aber nichts mit der Uniform zu tun, das Loreto ist einfach viel grösser.» Die Schuluniform in der Stadt zu tragen, könnte sie sich trotzdem nicht vorstellen. «Weil die Uniform wie ein Erkennungsmerkmal wirkt, würde ich sie nur in der Schule tragen», so Gianna.

Unverständlich ist für Gianna, weshalb ihr so viel vorgeschrieben wird. In einem fortgeschrittenen Land wie der Schweiz sollte doch jeder das Recht haben, anzuziehen was er oder sie will.

An der Kantonsschule eine Schuluniform einzuführen wäre keine gute Idee, glauben wir. Das würde nicht funktionieren.  

Durch den Markenkleiderboom sind teure Klamotten zum Statussymbol geworden.

Die Kleidung sagt nichts über die inneren Werte einer Person aus, die Entwicklung des eigenen Styles trägt jedoch zum Aufbau der Persönlichkeit bei. Kleider können Leute machen. Im Schulalltag könnten sich die Jugendlichen durch ihre verschiedenen Outfits und Styles bewusstvoneinander unterscheiden, doch weshalb tun das so wenige? Durch den Markenkleiderboom sind teure Klamotten zum Statussymbol geworden. Folglich sehen die Teenies in ihren Levi’s T-shirts ziemlich gleich aus. Die Tennissocken bis zu den Kniekehlen hochgezogen stiefeln sie jeden Morgen zur Schule und folgen dem Hype.

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