„En Skater brucht meh!“

Autor: Linus Heim, Meret Elsener

Fotos: Dominik Vogel

Mode für junge Leute findet man in Zug im Geschäft doodah. Das Unternehmen fokussierte sich ursprünglich auf Skate- und Snowboards. Mittlerweile ist aber auch coole Mode von trendigen Marken im Angebot. Nach einem Start in der Zuger Vorstadt ist doodah heute schweizweit an sieben Standorten zu finden. Schon lange ist Andrin Jost dabei, der seit seiner Lehre für doodah arbeitet.

«doodah isch es Ding us Zug vo Lüüt us Zug»

Wer das Geschäft doodah im Zuger Laubenhof neben der Metalli betritt, dem sticht sofort die bunte Vielfalt des Angebots ins Auge: An einer Wand stapeln sich Nike-Schuhschachteln in Bonbonfarben, gegenüber hängt eine ganze Wand voll mit Fjällräven-Rucksäcke in diversen Farbtönen und hinter der Verkaufstheke sind bunte doodah-Einkaufstaschen platziert. Im Hintergrund ertönt coole Hip-Hop-Musik. Es riecht nach neuem Plastik. Zwischen ausgestellten Klamotten und aufgereihten Snowboards steht Andrin. Er ist gerade damit beschäftigt, Kisten mit Jacken der neuen Winterkollektion auszupacken. Der 25-jährige Andrin Jost ist Verkäufer im doodah Zug. Mode ist sein Alltag.

Vom Skatecore-shop zum Modegeschäft für alle

Das ganze Ladenlokal geht über zwei Stockwerke: Die Galerie ist voll mit Skateboards und Snowboards. Im Erdgeschoss hängen Jacken, Pullis und Winteraccessoires. Die Ladeneinrichtung ist modern und erinnert ein wenig an eine Fabrik mit dem praktischen Holzboden, Treppen und Geländern aus Metall. Wie die Modewelt insgesamt hat auch doodah in den letzten Jahren viele Wechsel erlebt und sich dementsprechend angepasst. Angefangen hat alles im Jahr 1989, damals war das Geschäft noch bekannt als Mr. Goodfun am Zugersee. 1994 kam die Namensänderung zu doodah. Zuerst war es ein Laden ausschliesslich für Skater und Snowboarder – also ein Skatecore-Shop. Doch dies änderte sich allein. «En Skater brucht meh», war die Meinung der doodah-Geschäftsleitung. So gelangten immer mehr Alltagskleider ins Sortiment, die auch für Nicht-Skater interessant sind. doodah expandierte von Zug aus und gründete nach und nach Filialen in der Deutsch- und der Westschweiz. Mittlerweile gibt es sieben Geschäfte, dazu kommen noch einige Outlets. Das ganze Konzept startete am Zugersee. «doodah isch es Ding us Zug vo Lüüt us Zug», fasst Andrin die Erfolgsgeschichte zusammen. Seit 2009 arbeitet er für doodah und war dabei in diversen Filialen angestellt.

Der Verkäufer nimmt sich ganz unkompliziert Zeit für ein Gespräch. Er erzählt, wie er sein Hobby zu seinem Beruf machte. Er ist begeisterter Skater und Snowboarder und so war nach seiner Schulzeit die Lehrstelle im doodah Zug wie geschaffen für ihn.  Zwar hatte er zuerst gar nicht an eine Lehre im Detailhandel gedacht. Doch die Stelle bei doodah begeisterte ihn, denn bereits seit der zweiten Primarschulklasse sei dieses Geschäft sein Lieblingsladen. Echt jetzt? «Ja, voll!», grinst Andrin und strahlt. Für ihn ist es selbstverständlich, dass sein Kleiderschrank komplett mit Kleiderstücken aus dem doodah ausgestattet ist. Neben der Mode hat Andrin noch eine zweite Passion: das Rappen. Musik und Kleider sind sein Leben.

Marken schaffen Image

Wenn man heutzutage einen Blick auf die aktuellen Modetrends wirft, wird eines schnell klar: «Trends nach Brands» lautet das Motto der Modewelt. Die Marke ist also wichtiger als beispielsweise eine bestimmte Schnittart. Andrin zählt ein paar Marken auf: Dr. Denim, Cheap Monday oder Carhartt. «Gefragt ist zurzeit auch die Bomberjacke von North Face», erklärt Andrin und zeigt ein Beispiel. Warum sind Marken für viele Menschen so wichtig? Es liegt wohl daran, dass Markenkleider eine neue Form von Leistung oder Errungenschaft sein können. Mit einem Logo, einem Schriftzug oder einem Symbol kann man seine Mitmenschen beeindrucken. Die Marke gibt dem Träger ein besseres Selbstwertgefühl, er fühlt sich selbstsicherer und bekommt Anerkennung. «Chleider möched halt Lüüt», sagt Andrin. Vor allem hier in Zug ist die jüngere Generation bereit, viel Geld für Kleidung auszugeben, um den Trends zu folgen.

Der Markenhype in Zug ist ausserordentlich stark. Das fällt auch Andrin auf, wenn er das Zuger Geschäft mit den Filialen an andern Orten vergleicht. Die Leute wollen damit auch ausdrücken, dass sie sich teure Kleidung leisten können und dafür gearbeitet haben. Es ist offensichtlich, dass jemand mit einem Gucci-T-Shirt mehr Geld hat als jemand, der ein einfaches T-Shirt trägt. «So isches halt, stay real», meint Andrin achselzuckend dazu.

Modetrends fördern Druck, vor allem jüngere Personen fühlen sich genötigt, viel für Markenkleider zu bezahlen. Der ständige Wechsel in der Mode macht es noch schwieriger, denn den Trends nachzueifern, ist in erster Linie ein finanzielles Problem. Zudem belastet dieses Kaufverhalten die Umwelt. Nur weil ein Pullover nicht mehr dem aktuellen Style entspricht, wird er ersetzt, obwohl er in seiner Funktion uneingeschränkt ist. «Unsere Marken sind aber nicht so extrem teuer», beschwichtigt Andrin. Er hält das Preisniveau im doodah im Verhältnis zu anderen Geschäften für fair.

Marken spielen schon beim ersten Eindruck einer Person eine Rolle, findet Andrin. Wenn man einer Person begegnet, fällt einem zuerst ihr äusseres Erscheinungsbild auf. Die Kleidung ist dabei massgebend. Deshalb haben die Menschen Freude an Markenklamotten, schliesslich will man sich gut verkaufen. So sieht das auch Andrin, der für den Verkauf und das Präsentieren im doodah Zug zuständig ist. Er hat über die letzten Jahre hinweg beobachtet, wie teure Markenkleidung in ihrem Sortiment zugenommen hat.

Im doodah findet man aber nicht nur die ganz exquisiten Labels. Sie probieren auch, kleinere und weniger bekannte Marken zu fördern. Was bei doodah in den Regalen landet, bestimmen die drei Einkäufer der doodah-Kette. Etwa 80 Prozent der angebotenen Kleidung werden von der Zentrale vorgegeben, die restlichen 20 Prozent können vom Personal der Filiale selbst ausgewählt werden.

Für Skater und weitere Kunden

doodah ist ein Laden für alle. Im Sortiment findet man Kleidung für Jung und Alt. «Auch meine Eltern könnten hier in den Laden kommen und würden etwas für sich finden», davon ist Andrin überzeugt. Das Image als Skater-Laden bleibt jedoch trotzdem bestehen. So sind die meisten Kunden Jugendliche und junge Erwachsene. Das Preisniveau für die qualitativ hochwertigen Kleidungsstücke ist angemessen. Qualität hat ihren Preis. Die Bomberjacke von North Face zum Beispiel verkauft doodah für 279 Franken.

Die Zuhörer oder Träger folgen den Trends der bunten Mode- und Musikwelt und lernen stets neue Seiten kennen.

Der Bekleidungsladen setzt bei seinem Erfolgsrezept auf Menschlichkeit. Freundliche Beratung, lockere Atmosphäre und gemütliche Stimmung sind essentiell. Dieses Rezept wird im Zuger doodah gekonnt umgesetzt. Wenn man den Laden betritt, grüssen einen die Mitarbeiter sofort herzlich. Alle sind per Du, die Stimmung ist entspannt und man fühlt sich wohl im Laden. Die Beratung ist hilfreich und ehrlich. Das sind die Faktoren, die für doodah im Wettbewerb mit reinen Online-Anbietern zählen. Die Idee, den Laden bei sich zu Hause zu haben, ist sehr verlockend, räumt Andrin ein, wenn er auf den Online-Handel angesprochen wird. «Gegen grosse Online-Anbieter ist es in unserer Branche schon schwer anzukommen. Die sind so mächtig geworden, dass sie bei den Marken gute Deals herausholen können.» Insiderwissen und individuelle Beratung hingegen gibt es nur im Laden. «Bei Snowboards zum Beispiel schätzen es die Kunden sehr, wenn sie hier in den Laden kommen können und beraten werden.»

Nicht nur bei der Arbeit, sondern auch in seiner Freizeit verkörpert Andrin die Philosophie von doodah. Er ist begnadeter Skater und Snowboarder. Ausserdem ist er ein gefragter Rapper. Mit Elias Honegger zusammen bildet er die Band Änetsee. Leider sind die Eigenproduktionen im Moment auf Eis gelegt, da Elias sich eine Auszeit nahm, um die Welt zu entdecken. «Isch scho gönnig», lacht Andrin. Im Moment arbeitet der Hünenberger als Producer für andere Interpreten. «Gerade vor drei Wochen landete eine Produktion, für die ich die Beats kreierte, in den deutschen Charts auf Rang 38.»

Mode ist ein sehr vielseitiges Themengebiet. Hinter dem scheinbaren Routinejob, Kleider zu verkaufen, steckt viel mehr. Andrin vergleicht Mode mit Musik. Ein sehr passender Vergleich, denn beides entwickelt sich ständig weiter. Die Zuhörer oder Träger folgen den Trends der bunten Mode- und Musikwelt und lernen stets neue Seiten kennen. Es kann einem gar nicht langweilig werden mit so viel Abwechslung.

Leave a Reply

Powered by WordPress.com.

Up ↑

%d bloggers like this: