Aus Hemdkrägen eine Bluse

Autor: Sofia Lischer/ Vivienne Knüsel

Fotos: Leonie Halm

Aus Hemdkrägen eine Bluse zu machen, klingt ungewöhnlich, gehört jedoch zu den Hauptaufgaben von Eva Waldmann. Ihre Mode will Nachhaltigkeit.

«Wieso sollte ich neue Stoffe kaufen?», fragt Eva Waldmann. «Ich kann ja einfach die alten wiederverwenden». Sie greift zu einer Kiste, die voll mit Kleidungsstücken ist, welche sich über die Jahre angesammelt haben.

Eva Waldmann ist eine sympathische Frau mit einer genialen Idee: Sie verwendet bereits vorhandene Stoffe bis auf den letzten Fetzen. Nach einer textilen Grundausbildung als Handweberin ist der Bereich Kleiderherstellung etwas Neues für sie. Eine gewisse Verbindung zu Stoffen hatte sie jedoch schon immer. Nach verschiedenen Versuchen kam sie zum Entschluss, ihre eigenen Kleider herzustellen. Ihr Geschäft besteht noch nicht lange in der jetzigen Form. Vor zwei Jahren startete sie diesen Versuch und nistete sich in einem Atelier in Zürich ein.

Mit einer freundlichen Begrüssung empfängt sie uns an ihrem Arbeitsplatz. Ein kleines, aber lieblich eingerichtetes Atelier, in welchem sie jedoch nur vorübergehend arbeitet. Sie ist im Atelier ihrer Kollegin Nicole Santer untergebracht. Die beiden sind im selben Bereich tätig. Der Arbeitsplatz liegt an einem ruhigen Ort in der Zürcher Innenstadt. Nach einer zehnminütigen Tramfahrt erreichen wir die Hotzestrasse. Eva Waldmann erwartet uns bereits in ihrem Arbeitsumfeld. Ihr Atelier ist klassisch eingerichtet und sie präsentiert ihre Werke gekonnt. Der Arbeitsplatz ist auf das Wichtigste reduziert. Zwei Nähmaschinen auf ihrem kleinen Pult, daneben eine weitere Ablagefläche, um mit ihren Stoffen zu arbeiten.  Auf den ersten Blick fallen die ungewöhnlichen Kleider auf. Der zweite Blick zeigt, wie raffiniert diese Kleider sind. Es hängen Jacken aus Hosen, Blusen aus Hemdkrägen und Röcke aus Reststoffen da.

Bisher ist Eva Waldmann noch nicht grossräumig tätig. Ihr Atelier ist mehr ihr Arbeitsplatz als ihr Laden. Ihre Produkte verkauft sie hauptsächlich auf diversen Messen. Derzeit sind es noch die eher kleineren Messen, an welchen man sie antrifft. Ihr Traum: Einmal auf einer grösseren Messe mit mehr potentiellen Käufern ihre Produkte zu präsentieren. Sie ist sich jedoch auch bewusst, dass man nicht eine ganze Garderobe mit ihren Kleidungsstücken füllen kann. Dazu sind sie zu ausgefallen. Man besitzt eher spezielle Einzelstücke, die man dann mit klassischen Stücken kombinieren kann. Eva Waldmann findet es ausserdem schwer, ihr Zielpublikum oder die Konsumentengruppe zu definieren. Ihre Käufer verlieben sich ihn ein bestimmtes Kleidungsstück und kaufen es. Es ist aber nicht so, dass sie eine gewisse Zielgruppe hat.

«Ich bin eine Quereinsteigerin, keine Modedesignerin, doch ich finde es spannend, die vorhandenen Kleider neu zu inszenieren. Wir haben nicht unendliche viele Ressourcen zur Verfügung, also sollten wir das, was uns zur Verfügung steht, auch nutzen.»

Wie kommt man auf eine solche Idee? «Ich bin eine Quereinsteigerin, keine Modedesignerin», sagt Eva Waldmann. Doch ich finde es spannend, die vorhandenen Kleider neu zu inszenieren». Sie hat Spass daran, Kleider auf die verschiedensten Arten zu präsentieren. Sie möchte jedoch auch hervorheben, dass man eine gewisse Wertschätzung gegenüber dem Material und der Arbeit, die geleistet wurde, zeigen muss. «Ich finde es schade, wenn Kleidungsstücke, welche man durchaus noch gut verwenden kann, weggeworfen werden. Wir haben nicht unendliche viele Ressourcen zur Verfügung, also sollten wir das, was uns zur Verfügung steht, auch nutzen», so Eva Waldmann.  Nachhaltigkeit ist ein topaktuelles Thema. «Klar mache ich es aus Freude, doch ich finde es auch wichtig, diese Botschaft der Nachhaltigkeit weiterzugeben».

Sie versucht, die Stoffe so zu verwerten, dass nichts mehr übrigbleibt. Wenn sie am Schluss eines langen Arbeitstages die Stofffetzen sieht, die auf ihrem Pult übriggeblieben sind, kommt ihr schon die nächste Idee, wie sie diese noch weiterverwerten könnte. Durch das Aufkleben auf Postkarten oder dem Herstellen von kleinen Säcklein finden bei ihr auch die kleinsten Reste noch Verwendung.  

Eva Waldmann bekommt ihre Materialien überwiegend von Bekannten, wie auch von der Caritas Schweiz. Bereits mehrfach hat sie einen Aufruf unter ihren Freunden gestartet, als sie beispielsweise nach Hemden gesucht hat. Um eine ihrer Blusen herzustellen, benötigt sie etwa 20 Hemdkrägen. Dadurch, dass ihr nicht unbegrenzte Ressourcen zur Verfügung stehen, ist es ihr oftmals nicht möglich, grosse Grössen herzustellen.

Ihre Kleider sind ausgefallen und nicht jedermanns Sache. Trotzdem ist es besser, solche Kleider herzustellen, als die Stoffe wegzuwerfen. «Mir ist auch bewusst, dass diese Kleider einen gewissen Preis haben, denn es ist schlicht und einfach nicht möglich, ein Shirt im Wert von fünf Franken herzustellen».

«Die Aussage Kleider machen Leute trifft auf jeden Fall zu», so Eva Waldmann. «Denn wie man sich kleidet, sagt viel über den Charakter einer Person aus.» Sie achtet darauf, wie sie sich kleidet, denn mit jedem Outfit vermittelt sie eine gewisse Botschaft. Auch wenn man ohne nachzudenken in den Kleiderschrank greift, hat die Kleidung immer eine Wirkung auf andere Menschen. Im Unterbewusstsein bildet sich jeder eine Meinung über den «Style» der anderen. Diese Wirkung nutzt Eva Waldmann, um die Botschaft der Nachhaltigkeit weiterzugeben.

Uns hat ihr Atelier sehr gefallen und wir hoffen, dass ihre Mode ein breites Publikum finden wird. Sie und ihre Botschaft der Nachhaltigkeit haben es definitiv verdient, entdeckt und erhört zu werden.

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