Verschiedene Wege führen zum EFZ

von Severin Kurmann, Christian Cataldo und Enea Fallegger

Portrait von Peraven Arulchandran

Peraven Arulchandran, 21 Jahre alt, steht kurz vor dem Qualifikationsverfahren zum EFZ Kaufmann/Kauffrau. Im Gegensatz zur Mehrheit der Jugendlichen hat er sich nicht für den dualen Ausbildungsweg entschieden. Ganz nach dem Motto: «Verschiedene Wege führen nach Rom.»

Wir besuchen Peraven am KV College der HSO Wirtschafts- und Informatikschule Baar. Mit viel Engagement und der Überzeugung, den für ihn richtigen Weg eingeschlagen zu haben, spricht er über seine Ausbildung.

Familie und Freizeit

Peraven ist zusammen mit seinen drei Geschwistern und Eltern, die ursprünglich aus Sri Lanka kommen, in Zug aufgewachsen. Schnell merken wir, dass Peraven nicht nur hinter seinen Büchern sitzt. Nebst verschiedenen schulischen Verpflichtungen bleibt ihm Zeit (oder nimmt er sich die Zeit?) für sportliche Freizeitaktivitäten. Er ist ein begeisterter Fussballspieler, geht aber auch gerne ins Fitness. Im Sommer ist er mit seinem Motorrad unterwegs, das ihm ein Stück unbegrenzte Freiheit vermittelt. Im Winter flitzt er mit seinem Snowboard die Hänge runter. Er verrät uns aber auch, dass es zwischendurch Zeiten gegeben habe, als er seine Hobbys zurückstellen musste. Heute sei das dank guter Planung nicht mehr so. Wir erfahren Peraven als vielseitig interessiert, neugierig, aber auch als pflichtbewusst.

Ausbildung zum Kaufmann/Kauffrau EFZ

Verschiedene Wege führen nicht nur nach Rom, sondern auch zum Kaufmann EFZ. Die duale Berufslehre mit Besuch der Berufsschule und Arbeiten im Lehrbetrieb wird von vielen als Erfolgsrezept verstanden. Peraven sieht das nicht so, hat er doch eine klassische kaufmännische Lehre schon bald nach Beginn abgebrochen, da er mit dem schulischen und betrieblichen Teil nicht klargekommen sei. Zu jung, zu unentschlossen sei er damals gewesen. Das kann man Peraven fast nicht abnehmen, denn er sprüht vor Motivation und Ehrgeiz. Er sagt auch ganz klar, dass ihm die Motivation zum Erfolg verholfen habe.  Er ist sichtlich stolz darauf.

Am KV College absolviert er nun die dreijährige Ausbildung im E-Profil zum Kaufmann EFZ. Bei diesem Ausbildungsmodell sind praktische Ausbildung im Betrieb und schulische Ausbildung getrennt. Man besucht drei Semester die Tagesschule, absolviert dann ein einjähriges Praktikum in einem Betrieb, gefolgt von einem letzten Semester, das auf die QV Prüfungen vorbereitet. Dieses Modell sei für ihn ein klarer Vorteil. Man habe Zeit, sich gut und intensiv mit der theoretischen kaufmännischen Materie auseinanderzusetzen, bevor man sich in einem Praktikumsbetrieb in der Praxis behaupten müsse. Und überhaupt; er gehe ja gerne zur Schule. Er scheint mit sich und seiner Ausbildung zufrieden zu sein. Dies zeigt sich auch, wenn er von seiner Klasse und seinen Lehrpersonen spricht. Man kennt und unterstützt sich. Auch die Lehrpersonen erfährt er positiv, unterstützend und motivierend.

Als er von seinem Praktikumsjahr, das er in der Administration der HSO Baar absolvierte, erzählt, kommt er richtig ins Schwärmen. Die Anfangsschwierigkeiten habe er schnell überwunden; er habe ja vieles aus der Sicht der Lernenden schon gekannt, aber vor allem auch dank dem tollen Team und seiner Ausbildnerin, die ihm immer hilfreich zur Seite stand. Dieser Eindruck bestätigt sich uns, als er seinen Arbeitsplatz im Sekretariat zeigt. Man kennt ihn, er wird geschätzt. Wir staunen, als er uns von all seinen Tätigkeiten und Aufgaben erzählt, und werden fast ein bisschen neidisch, weil wir ja noch weitere zwei Jahre die Schulbank drücken müssen/dürfen.

Auf die bevorstehende Lehrabschlussprüfung angesprochen, meint er, dass er schon etwas angespannt sei. Er wolle ja jetzt nach drei intensiven Jahren einen guten Abschluss erzielen. Er kommt ins Nachdenken und meint schliesslich, er sei eigentlich gut vorbereitet, um die Hürden erfolgreich nehmen zu können.

Wir können es uns nicht verkneifen, ihn im Zeitalter der rasanten Digitalisierung nach der Perspektive des Kaufmanns zu fragen. Peraven meint, vor allem Berufe mit repetitiven Arbeitsabläufen und niedrigen Qualifikationsvoraussetzungen seien gefährdet, durch die Digitalisierung wegrationalisiert zu werden. Generell ist er überzeugt, dass die Anforderungen bei den kaufmännischen Berufen gestiegen seien, dies sei auch aus den Stelleninseraten ersichtlich. Mit Weiterbildung wolle er auf die schleichenden Veränderungen in unserer digitalisierten Welt reagieren und so die Hürden nehmen.

Zukunftspläne und Visionen

Seine unmittelbare Zukunft ist bereits definiert: Peraven rückt am 25. Juni 2018 in die RS ein. Anschliessend zieht er einen Sprachaufenthalt in Frankreich oder in der Romandie in Betracht, um seine Französischkenntnisse aufzubessern, bevor er mit dem Ausbildungslehrgang zur Berufsmatura beginnt. Auf seine Visionen angesprochen meint, er ein eigenes Unternehmen zu leiten, wäre schon toll. Dieses Ziel wird Peraven, so wie wir ihn kennengelernt haben, sicherlich hartnäckig weiterverfolgen.

Am 29. Juni 2018 wird Peraven im Casino in Zug sein Fähigkeitszeugnis entgegennehmen dürfen und dies erfüllt ihn sichtlich mit Stolz, denn seine Ziele konnte er vollumfänglich erreichen. Wir sind beeindruckt. Seine Offenheit und Zielstrebigkeit haben uns positiv überrascht. Wir wünschen Peraven für seinen weiteren beruflichen Werdegang viel Erfolg.

Kaufmann/Kauffrau EFZ

3-jährige Lehre

  • Basis Grundbildung (B-Profil)
  • Erweiterte Grundbildung (E-Profil)
  • E-Profil mit Berufsmaturität (BM)

Kaufleute arbeiten im Büro eines Unternehmens in verschiedenen Wirtschaftszweigen und Branchen. Sie übernehmen vielseitige administrative und organisatorische Tätigkeiten.

Die Auszubildenden werden in Lehrbetrieben in die Berufspraxis eingeführt und besuchen je nach Profil 1 – 2 Tage pro Woche die Berufsfachschule.

 

 

 

Leave a Reply

Powered by WordPress.com.

Up ↑

%d bloggers like this: