Vom Tennisplatz zur Medizin

von Aysin Kirver, Emilia Mende und Jule Tarnoki

Vanessa Lindner (16) wird medizinische Praxisassistentin. Was hat sie dazu bewegt, diese Lehre zu wählen? Wir begleiten sie einen Tag lang.

Es ist Montagmorgen, 08:20 Uhr. Wir sind in der Berit-Exbit Schule in Zürich. Noch etwas verschlafen finden sich die angehenden medizinischen Praxisassistentinnen im Schulzimmer ein. Sie setzen sich auf die ihnen zugewiesenen Plätze und warten darauf, dass der Unterricht beginnt. Warum haben sich diese Menschen entschlossen, diese Lehre in Angriff zu nehmen?

Ein besonderer Weg

Tatsächlich ist es nicht so, dass Vanessa von Anfang an medizinische Praxisassistentin werden wollte. Anfangs hatte sie geplant, Sportlerin zu werden. Als leidenschaftliche Tennisspielerin war dies ihr Traum, und zwar schon von Kindesbeinen an. Aufgrund ihres Talentes und ihrer Freude am Tennis besuchte sie die Sportschule in Cham. Doch dann hinderte sie eine Verletzung daran, diesen Weg weiterzugehen. Ihr Traum vom Profitennis war auf einen Schlag geplatzt. Plan B war es, an die FMS zu gehen um Sportlehrerin zu werden. Doch um dort angenommen zu werden, hätte sie einen Schnitt von mindestens einer 5.0 gebraucht, den sie knapp nicht erreichte. So wurde ihr auch dieser Weg versperrt.

Nachdem feststand, dass sie die FMS nicht besuchen würde, beschloss sie, sich möglichst schnell eine Lehre zu suchen, die zu ihr passte. Sie sollte etwas mit Medizin zu tun haben und natürlich Spass machen. Innerhalb einer Woche, in der sie intensiv nach etwas Passendem suchte, fand sie schliesslich ihre zukünftige Lehrstelle als medizinische Praxisassistentin.

Die MPA im Schulzimmer

Etwas unterscheidet ihre Lehre von den meisten anderen. Sie enthält nicht einen Berufsalltag mit ein bis zwei Tagen Berufsschule in der Woche, sondern zuerst ein Jahr Berufsschule, danach ein Jahr Arbeit in der Praxis und wiederum ein Jahr Schule. «Ich konzentriere mich gerne auf eine Sache und mag es nicht, Themen durcheinanderzukriegen», erklärt sie uns, währendem sie Notizen auf ihren Block schreibt. Vanessa geht gerne in die Schule, deswegen macht es ihr nichts aus, ein ganzes Jahr am Stück den Unterricht zu besuchen. Aber sie gibt auch zu, dass sie sich bereits sehr darauf freut, wenn es richtig losgeht. Selbst Hand anlegen konnte sie bis jetzt nämlich noch nicht allzu oft. Doch bald wird auch für sie der Praxisalltag beginnen. All das theoretisch Gelernte endlich anzuwenden, kann sie sich noch nicht richtig vorstellen.

 

Bis jetzt entspricht die Lehre durchaus ihren Vorstellungen, ausser in einem Punkt: Vanessa hatte nicht erwartet, dass die Schule so anspruchsvoll ist. Sie erzählt uns, dass mehrere Schüler bereits aufgrund schlechter Leistung rausgeflogen seien. Darum ist sie auch besonders froh, dass ihr dies nicht widerfahren ist.

Dennoch erstaunt uns, wie viele verschiedene Schüler aller Altersklassen in der Klasse sitzen. Alles von 15 bis 35 versammelt sich hier und lauscht gespannt den Lehrern. Wir fragen Vanessa danach. Sie antwortet uns schlicht, dass sich hier praktisch jedermann, egal wie jung oder alt, zur MPA ausbilden lassen kann. Am Anfang hat es sie auch etwas irritiert, weil sie nicht damit gerechnet hat, aber die verschiedenen Alter der Lehrlinge verändern rein gar nichts am Unterricht.

Wir fragen sie, inwiefern sich ihr Leben, nachdem sie in die Lehre gekommen ist, weiter verändert hat. Speziell fragen wir nach ihrem Hobby, dem Tennis. Sie erzählt uns, dass sie weniger Zeit für ihre Hobbys und sonstige Freizeitbeschäftigungen hat. Dennoch, so sagt sie, ist die Qualität immer noch erhalten geblieben.

Familienleben

Ihre Eltern unterstützen sie, aber sie macht gleichzeitig so viel wie möglich selber. «Ich freue mich immer, wenn ich mal die Möglichkeit habe, etwas Zeit mit meiner Familie zu verbringen», erzählt sie uns. «Leider ist dies nun weniger möglich.» Wenn sie einmal alle zusammen frei haben, unternehmen sie sehr gerne etwas zusammen. Ihre Eltern freuen sich sehr, dass sie eine Lehre gefunden hat, welche ihr so viel Freude bereitet.

Wie es weitergeht

Schon jetzt ist sie sich sicher, dass die Berufsmatura für sie ein Muss ist. Was sie danach machen möchte, ist zwar noch nicht ganz sicher, aber sie hat bereits einige Ideen. Ganz oben auf ihrer Liste steht die Ausbildung zu Physiotherapeutin, nachdem sie ihre MPA-Lehre abgeschlossen hat. Aber für den Moment ist sie sehr zufrieden und geniesst es, so viel Neues zu erlernen, besonders im Bereich der Anatomie, da dies ihr Lieblingsthema ist. Sie ist mit Spass bei der Sache und fühlt sich sehr wohl in ihrer Schule.

«Ich bereue keine meiner Entscheidungen», erklärt sie uns. »Müsste ich mir nochmals eine Lehre suchen, würde ich dieselbe wählen. »

 

MPA steht für Medizinische Praxisassistentin. Die Ausbild

ung zur MPA geht durchschnittlich drei Jahre. MPA ist ein vielfältiger Beruf. Von Büroarbeit in der Arztpraxis bis hin zum Assistieren des Arztes gibt es viel Verantwortung für den medizinischen Praxisassistenten. Patienten empfangen, Termine vereinbaren und Anrufe entgegenzunehmen sowie das Untersuchen von Blut-/Urinproben und das Schreiben von Arztberichten gehören zum Alltag in dieser Branche. Sie sorgen für eine einwandfrei funktionierende Praxis.

 

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