Standfest in der Lehre

von Mirjam Iselin und Serafine Möri, Fotos Jos Auf der Maur

Carina (16) macht ihre Lehre zur Detailhandelsfachfrau Consumer-Electronics. Ein langer Name für einen Beruf, finden wir und möchten an diesem Halbtag herausfinden, was sich dahinter verbirgt.

Wir treffen Carina Gander am Montagmorgen am Bahnhof Rotkreuz und fahren gemeinsam zu ihrem Arbeitsplatz, das Elektrofachgeschäft Fust in Küssnacht, wo sie seit knapp einem Jahr arbeitet.

Gleich zu Beginn merken wir, dass sich Carina sehr wohl fühlt in ihrer Umgebung. Wir treffen ausserdem ihren Lehrmeister, der uns freundlich empfängt und einen sehr netten ersten Eindruck hinterlässt. Durch das Lager, in dem sich Kartonschachtel über Kartonschachtel stapeln, führt sie uns in ihren Pausenraum. Nachdem wir unsere Sachen dort deponieren konnten, gibt uns Carina erstmals eine Führung durch den Laden, der zu dieser Zeit noch relativ leer von Kunden ist.

Kunden im Mittelpunkt:

Stolz führt sie uns durch den Laden, sie lässt lediglich die Abteilung mit den Haushaltsgeräten aus. Dort beraten nur die erfahrenen Angestellten. Da haben wir wieder was gelernt. Wir merken aber wirklich, dass sie sich im anderen Teil perfekt auskennt und sind beeindruckt von ihrem grossen Wissen. Vielen Kunden geht es genauso wie uns. Teilweise sind sie zuerst skeptisch, wenn sie sehen, dass Carina noch Lehrling ist. Nach dem Beratungsgespräch wird sie aber von den meisten auf das dritte Lehrjahr geschätzt und nicht auf das Erste, in dem sie tatsächlich ist. Das freut Carina natürlich, so merkt sie, dass sich ihre Bemühungen lohnen und die Kunden zufrieden sind mit ihrer Beratung. Als gute Beraterin ist es nicht ihr Ziel, unbedingt ein Gerät zu verkaufen, sondern dem Kunden individuell das beste Produkt zu empfehlen. Falls sie ein passendes Produkt jedoch nicht anbieten, kommt es auch vor, dass sie dem Kunden ein anderes Geschäft empfiehlt. Das Beraten gefällt ihr sehr, auch wenn das oftmals, speziell bei älteren Leuten, viel Geduld erfordert. Was ihr zudem viel Spass bereitet, ist das Einrichten von PCs, sodass Kunden, die sich nicht so gut damit auskennen, ihr Gerät gebrauchsfertig mitnehmen können. All das kann und darf sie selbstständig ausführen.

 

Von der Schülerin zur selbstständigen Frau:

Elektronische Geräte haben sie schon immer interessiert, erklärt sie uns. Deswegen war ihr auch nach dem ersten Schnuppern in diesem Beruf klar, dass sie gerne in diesem Gebiet ihre Ausbildung machen möchte.  Der Berufsalltag gefällt ihr sehr: «Ich kann machen, was mir Spass macht und muss mich nicht mit Dingen beschäftigen, die mich nicht interessieren. » Zudem ist sie froh, nicht nur in die Schule gehen zu müssen, sondern auch wirklich etwas zu tun.

Jos_Detailhandel_3In welchem Geschäft sie konkret arbeiten wollte, war ihr eigentlich egal, wichtig ist ihr jedoch ein gutes Team, in dem sie sich wohl fühlt und mit dem sie sich versteht. Sie bewarb sich deswegen bei mehreren Geschäften, hat die Stelle aber jeweils knapp nicht bekommen. Bei dieser Filiale des Geschäfts Fust sollte eigentlich gar kein Lehrling eingestellt werden, allerdings hat es so gut gepasst, dass sie für Carina eine Ausnahme machten und sie hier dennoch ihre Lehre machen darf. Dies klingt doch nach einem willkommenen Einstieg.


Detailhandelsfachmann/-frau Consumer-Electronics

Die Lehre dauert drei Jahre, begleitet von 1 bis 1 ½ Tagen in der Berufsfachschule. In dem Beruf arbeitet man in Multimedia-Fachgeschäften.  Der Schwerpunkt liegt auf der Beratung und man hat viel Kundenkontakt, deswegen ist es wichtig, konkret auf die Wünsche und Bedürfnisse der Kundeneingehen zu können. Sie verkaufen Unterhaltungselektronik sowie Haushaltsgeräte.  Ausserdem nehmen sie Lieferungen an und organisieren ihr Lager.  Sie stehen zudem im Kontakt mit anderen Filialen.


Klare Sicht auf die Zukunft:

Uns werden im Verlauf des Morgens die Beine schwer und wir sind froh, uns zwischendurch an die Regale lehnen zu können. Carina jedoch mag das und betont auch immer wieder: «Ich kann nicht den ganzen Tag nur rumsitzen und nichts machen. » Sie selbst hat sich schnell an das lange Stehen gewöhnt. Das Stehen ist jedoch nicht das einzige, das sich verändert hat. Um sich gut auf die Lehre zu konzentrieren, hat sie viele ihrer Hobbies aufgegeben. Vermissen tut sie die jedoch schon und möchte nach der Lehre auch wieder mit einigen anfangen. Dies ist nur einer der Pläne für ihre Zukunft, denn bereits jetzt hat sie feste Vorstellungen, wie diese aussehen soll. Nach der Lehre möchte sie weiterhin auf ihrem Beruf bleiben, dazu allerdings eine berufsbegleitende Handelsschule absolvieren. Da sie die Schule aber nicht so mag, ist sie froh, dass sie diese nur einmal pro Woche besuchen muss. «Das werde ich aushalten», beteuert sie uns. Nach Abschliessung der Lehre hat sie mehrere Möglichkeiten, im Beruf aufzusteigen. Sie könnte zum Beispiel Filialleiterin werden. Zu einem Bürojob zu wechseln, kann sie sich jedoch nicht vorstellen, da sie lieber mit den Kunden direkt arbeitet und somit bleibt sie auf den Beinen.

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