Die Chemie stimmt

von Linh Ensslin und Whitney Tran, Fotos Jenny Bieri

Mutter Biolaborantin, Vater Physiker. Von den Eltern inspiriert, entscheidet sich Vera für das naturwissenschaftliche Berufsleben, allerdings für den Bereich der Chemie. Doch ihre Hoffnungen wurden nicht ganz erfüllt.

Montagmorgen, 08:30 Uhr. Wir steigen bei der ETH Hönggerberg aus dem Bus und wenig später empfängt uns Vera. Zuerst führt sie uns ins Labor, wo sie eine Reaktion ansetzt. Dort lernen wir ihre Arbeitspartnerin kennen, die Doktorantin Martha. Sie sprechen Englisch miteinander. Uns fällt auf, dass die Chemie zwischen den beiden stimmt. Kurze Zeit später haben wir die Möglichkeit, etwas mehr über sie und ihre Lehre als Chemielaborantin zu erfahren. Sie erzählt uns, dass die Entscheidung, an die ETH zu gehen, recht spontan war. Sie hatte die Möglichkeit, nach der Sekundarschule entweder ans Kurzzeitgymnasium zu gehen oder eine Lehre zu machen. Da sie die Zusage von der ETH Hönggerberg aber relativ schnell erhielt, hat sie sich für die Lehre entschieden. Sie hat eine Stelle im Analytik-Labor erhalten, hätte aber lieber im Synthetik-Labor gearbeitet. Die Wahl lag jedoch leider nicht bei ihr.

Chemielaborantin

Die Ausbildung dauert drei Jahre. Die Laborantinnen und Laboranten haben die Aufgabe, praktische Versuche durchzuführen. Sie arbeiten mit bei der Herstellung chemischer Verbindungen (Synthese) und deren Überprüfung, oder sie untersuchen verschiedene Proben und bestimmen Inhaltsstoffe (Analyse). Dabei stehen ihnen Computer zur Beschaffung von Informationen, zur Steuerung von Geräten und zur Auswertung von Versuchen zu Verfügung. Sie müssen gewisse Anforderungen erfüllen und Eigenschaften besitzen, z.B. Zuverlässigkeit, Genauigkeit, Sorgfalt, Sauberkeit, Teamfähigkeit u.a.

 

Wer ist Vera?

Vera ist 16 Jahre alt, halb Venezolanerin, halb Engländerin, allerdings in Amerika zur Welt gekommen. Eine ältere Schwester, ein älterer Bruder und ein jüngerer Stiefbruder gehören zu ihrer Familie. Sie ist eine aufgestellte junge Frau, lacht gerne und ist sehr offen. Sie freut sich, neue Leute kennenzulernen.

Bei der Arbeit muss sie aber auch seriös sein können. Ihre Lieblingsaufgabe bei der Arbeit ist, die chemischen Reaktionen anzusetzen. Spannend findet sie, den Doktoranten zu helfen und dann auch in ihren Arbeiten erwähnt zu werden. Ihre Pläne für die Zeit nach der Lehre stehen noch nicht fest, aber sie hat sich schon ein paar Gedanken dazu gemacht: Ein Gedanke war, dass sie am liebsten reisen gehen und die Welt entdecken und erkunden würde. Ein anderer war, dass sie die Berufsmatura machen möchte. Über ein Studium hat sie auch schon nachgedacht, welches sie vielleicht an der ETH, an der sie momentan arbeitet, machen könnte. Allerdings ist sie recht offen für alles.

Veras Lehralltag

An gewöhnlichen Tagen holt ihr Wecker sie um sechs Uhr aus dem Schlaf. Sie macht sich bereit, zur Arbeit zu gehen, und nimmt in Zürich um acht Uhr den Bus zur ETH Hönggerberg. Nach einer Stunde Busfahrt kommt sie an der ETH Hönggerberg an. Sie begibt sich zu ihrem Arbeitsplatz und nimmt Anweisungen von ihrem Lehrmeister oder von Martha entgegen. Bis elf Uhr arbeitet sie, dann macht sie eine Stunde Mittagspause. Meistens isst sie in der Mensa der ETH, da sie selber Essen mitnimmt. Nach dem Mittag macht sie sich wieder an die Arbeit. Da sie eine vorgegebene Anzahl von 172 Arbeitsstunden pro Monat einhalten muss, steht es ihr relativ frei, wann sie Feierabend macht. Abgesehen von der Arbeit gehört auch noch die Schule zur Lehre, welche sie zwei Mal pro Woche in Winterthur besucht. In ihrer Freizeit mag sie es zu zeichnen, spielt gerne Basketball und verbringt liebend gerne Zeit mit ihren Freunden.

Wie die Lehre ihr Leben beeinflusst

Da ihr mehr Geld zur Verfügung steht durch ihre gut bezahlte Lehre, kann sie sich viel mehr leisten.  Eine genaue Zahl ist uns nicht bekannt. Nachteile sind der Stress und der Druck, den sie sich selbst macht. Denn wie schon erwähnt, muss sie jede Woche zwei Mal die Schule besuchen. Dies kann dementsprechend stressig werden. Im Labor kommt es vereinzelt vor, dass ihr kleine Fehler unterlaufen, woraufhin sie sich immer sehr schlecht fühlt, da sie die ganze, manchmal auch aufwendige und komplizierte Reaktion nur aufgrund dieses kleinen Fehlers zerstört haben könnte. Wenn dies allerdings nicht der Fall ist, dann ist sie sehr stolz auf sich, da sie ihre Aufgabe erfolgreich gemeistert hat. Alles in allem gefällt Vera die Lehre. Ihr macht ihre Arbeit Spass und sie bereut ihre Entscheidung keineswegs.

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